Anfallserkrankungen

Anfallserkrankungen beim Hund

Eine primäre Epilepsie ist labordiagnostisch nicht nachweisbar. Folgende Erkrankungen können zu einer sekundären Epilepsie oder epileptiformen Anfällen führen und sollten ausgeschlossen werden.

( Erklärungen zu den Abkürzungen finden Sie unten, ebenso die einzelnen Kapitel zu den Erkrankungen)

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Grunderkrankung:

 Nierenerkrankung


Harnstoff
Kreatinin

S, EP, HP siehe Kap. 2., Nierenerkrankungen

 Lebererkrankung


ALT (GPT),GLDH, gamma-GT, AP, Bilirubin, Gallensäuren (prä- und postprandial)

S, EP, HP siehe Kap.1., Leber- und Gallenwegserkrankungen

 Hypoglykämie


Blut-Glukose

NaFlB Verschiedene Hunderassen neigen zu Hypoglykämien (neonatale Formen bei Zwerghunderassen, Hypoglykämien bei Jagdhunden). Neben Insulinüberdosierungen kann es u.a. durch folgende Arzneimittel zu Hypoglykämien kommen: Antihistaminika, ß-Blocker, anabole Steroide. Daneben ist die Hypoglykämie ein Symptom bei zahlreichen übergeordneten Erkrankungen.

 Herzerkrankung (Adam-Stoke)


alpha-HBDH, AST (GOT)

S, EP, HP siehe Kap. 9., Muskelerkrankungen

Natrium, Kalium,Calcium, Phosphat, Magnesium, Eisen

S, HP siehe Kap. 9., Muskelerkrankungen

Störung des Elektrolythaushalts


Calcium, Natrium

S, HP siehe Kap. 6., Imbalanzen des Wasser- und Magnesium, Kalium Elektolythaushalts

Blutbild (groß)

EB Die Bestimmung umfaßt Erythrozyten, Hämoglobin, Hämatokrit und Leukozyten einschließlich deren Differenzierung.

 Weitere Ursachen

Gehirntumor, Enzephalitis, Tetanus, Trauma, Hydrozephalus, Vergiftungen (z.B. Aldehyde, Phosphorsäureester, Blei, Quecksilber, Insektizide, Herbizide, Strychnin) Lipidosen, Leukodystrophie.


 Überwachung der Therapie bei primärer Epilepsie


Phenobarbital

S, EP, HP Die Bestimmung ist geeignet zur Überwachung der Therapie mit Phenobarbital und Primidon. Primidon wird beim Hund sofort in Phenobarbital umgesetzt. Die Bestimmung sollte frühestens eine Woche nach Beginn der Dauertherapie stattfinden. Der Zeitpunkt der Probenentnahme kann unabhängig vom Zeitpunkt der Arzneimittelapplikation gewählt werden.
(siehe auch: LABOKLIN aktuell)

Kaliumbromid

 

 

 

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Abkürzungen

Probenmaterial:

Nachfolgend sind die Abkürzungen für die Probenmaterialien aufgeführt, die im Leistungsverzeichnis und in unseren Untersuchungsanforderungen verwendet werden. Sind die Abkürzungen durch ein Komma getrennt, so können Sie aus der Reihe der aufgeführten Materialien das für Sie am einfachsten zu gewinnende auswählen. Sind die Angaben mit einem "und" verbunden, so sind beide Materialien für die Bestimmung aller Parameter des angewählten Untersuchungsblockes erforderlich.

  EB

EDTA-Blut

 EP

EDTA-Plasma

 HP

Heparin-Plasma

 NaFlB

Natriumfluorid-Blut

 NaFlP

Natriumfluorid-Plasma

 S =

Serum

 CB

Citrat-Blut

 CP

Citrat-Plasma

 Blutausstrich

immer luftgetrocknet und unfixiert einsenden

 

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Leber- und Gallenwegserkrankungen

Hund und Katze


ALT (GPT)

S, EP, HP

Bei Hund und Katze ist dieser Parameter im Gegensatz zu Pferd und Rind leberspezifisch. Das Enzym liegt ausschließlich im Zytoplasma vor. Anstiege sind daher schon bei leichten Zellschäden zu erwarten.
Katze: Normwerte liegen bei Orientalen deutlich höher.


g-GT
(nur Hund)

S, EP, HP

Das membrangebundene Enzym ist nicht leberspezifisch. Erhöhungen liegen aber praktisch nur bei Leber- und Gallenwegserkrankungen vor.
Katze: Das Enzym ist nach W. Kraft (1981) ohne Aussage!


GLDH

S, EP, HP

Das Enzym ist leberspezifisch und mitochondrial gelegen. Erhöhungen deuten daher auf gravierende Zellschäden und nekrobiotische Prozesse besonders im zentrolobulären Bereich hin. Erhöhte Spiegel bei nur mäßig veränderten ALT-Werten sprechen für chronische Leberentzündungen.
Katze: Normwerte liegen bei Orientalen deutlich höher.


AP  
(besonders Hund)

S

Das Enzym kommt in allen Organen vor. Es ist
aber nur bei Erkrankungen des hepatobiliären Systems und des Skelettsystems von Bedeutung (Ausnahme: steroidinduziertes = hitzestabiles Isoenzym). Bei Lebererkrankungen deuten Erhöhungen auf Cholestasen hin.
Jungtiere: Eine Konzentration von bis zu dem 2.5 fachen des Normwerts ist als physiologisch anzusehen.
Katze: Wegen geringer Halbwertszeit ist das Enzym von untergeordneter Bedeutung.


AST (GOT)
(besonders Katze)

S, EP, HP

Die AST ist kein leberspezifisches Enzym sondern findet sich in zahlreichen Organen, vor allem auch in der Muskulatur. Jedoch reagiert die AST bei der Katze recht früh und deutlich auf Lebererkrankungen.


Bilirubin, gesamt
primäres Bilirubin

S, EP, HP

Im Rahmen des Abbaus von Hämoglobin und anderen Zytochromen entsteht in der Leber Bilirubin, das intrahepatozellulär mit Glucuronsäure konjugiert und über den Darm ausgeschieden wird. Ein Ikterus entspricht einer Konzentration ab 17.1-34.2 µmol/l.


 

Die Bestimmung ist nur angezeigt, wenn zusätzlich zur Phenobarbitalgabe Kaliumbromid verabreicht wird.

 

 

 

 

 

Nierenerkrankungen

Hund, Katze, Pferd, Rind


Harnstoff

S, EP, HP Harnstoff ist das wichtigste Abbauprodukt des Eiweißstoffwechsels. Die Serumkonzentration ist nicht nur von der Nierenfunktion abhängig sondern auch von extrarenalen Faktoren (Ernährung, gesteigerter Eiweißabbau). Parallel sollte daher immer Kreatinin mitbestimmt werden. Deutliche Erhöhungen von Harnstoff gegenüber Kreatinin sprechen für eine prärenale Erhöhung von Harnstoff (katabole Stoffwechsellage, Blutungen im Darm, Resorption von Hämatomen). Bei prärenalen Niereninsuffizienzen Exsikkose, Hypovolämie) können sowohl Harnstoff als auch Kreatinin erhöht sein.

Harnsäure
(nur Dalmatiner)

S, EP, HP Infolge einer stoffwechselbedingten Störung kann es beim Dalmatiner zu einem erhöhten Harnsäure-Serumspiegel kommen. Von klinischer Bedeutung sind Harnsäure-Konkremente im Harn und eine charakteristische bräunlich-gelbliche Haarverfärbung (Bronzing-Syndrom).

Kreatinin

S, EP, HP Kreatinin ist der spezifischste Indikator der Nierenfunktion. Infolge der Reservekapazität der Niere treten erhöhte Werte aber erst bei Nierenschädigungen von über 50 % auf. Zur Früherkennung von Funktionsstörungen dient der Eiweiß-/Kreatinin-Quotient (U-P/C) im Harn (Mittelstrahlurin oder Zystozenteseharn).

Gesamt-Eiweiß

S, EP, HP Wegen Kompensation durch die Leber wird der und Elektrophorese Serum-Eiweiß-Spiegel auch bei extremem Eiweißverlust über die Niere konstant gehalten. Dagegen verschiebt sich die Zusammensetzung der Eiweißfraktionen bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf (erniedrigte Albumin- und erhöhte beta-Globulinfraktion in der Serum-Eiweiß-Elektrophorese).

Natrium

S, EP, HP Bei Hund und Katze wird Natrium hauptsächlich über die Niere ausgeschieden. Fortgesetzte Gabe von Diuretika führt zu erniedrigten Spiegeln. Zu erhöhten Serumspiegeln kommt es bei Niereninsuffizienz, jedoch erst im terminalen Stadium.


Muskelerkrankungen

 Herzmuskulatur



alpha-HBDH

S, EP, HP Hund: Dieses Isoenzym der LDH kommt in vielen Geweben, vor allem in der Herz- und Skelettmuskulatur sowie in der Leber in speziesspezifisch unterschiedlicher Aktivität vor. Ist die alpha-HBDH beim Verhältnis LDH zu alpha-HBDH überproportional erhöht, so liegt ein Herzmuskelschaden vor. Proportionale oder geringe Erhöhungen des Enzyms weisen auf eine andere Ursache (Leber-, Skelettmuskelschaden u. a.) hin. Hier sind u.U. CK- und AST-Werte zu berücksichtigen.
Pferd: Erhöhte alpha-HBDH-Werte zusammen mit CK-Erhöhung weisen auf einen Herzmuskelschaden hin. Die LDH-Erhöhung ist dabei mitzuberücksichtigen.

AST (GOT)

S, EP, HP Erhöhte Werte kommen bei Erkrankungen verschiedener parenchymatöser Organe, aber auch bei Muskelschädigungen vor, wobei zwischen Herz- und Skelettmuskelschädigungen nicht unterschieden werden kann.

Die Elektrolytkonzentrationen haben einen Einfluss auf die Erregungsbildung, Reizleitung und Herzmuskelkontraktion. Mangel, Überschuss und Imbalanzen können zu schwerer kardialer und neuromuskulärer Symptomatik führen.


Blutbild (klein)

EB Anämien können aufgrund der höheren Pumpleistung des Herzens und der schlechteren Sauerstoffversorgung zu Herzgeräuschen und kardialer Symptomatik führen.

Natrium

S, EP, HP siehe Kap. 6., Imbalanzen des Wasser- und Elektrolythaushalts

Kalium

S siehe Kap. 6., Imbalanzen des Wasser- und Elektrolythaushalts

Calcium

S, EP, HP siehe Kap. 6., Imbalanzen des Wasser- und Elektrolythaushalts

Imbalanzen des Wasser- und Elektrolythaushalts

Hund, Katze, Pferd, Rind


Natrium

S, EP, HP Natrium ist das wichtigste Kation des extrazellulären Raumes. Bei Hund und Katze wird Natrium hauptsächlich über die Niere ausgeschieden. Hauptursachen für Hypernatriämien sind Wasserverlust ohne Elektrolytverlust (Diabetes insipidus, Diabetes mellitus), Natriumretention (Mineralokortikoide) oder erhöhte Natriumzufuhr über das Futter ohne Gelegenheit zur Wasseraufnahme. Hauptursachen für signifikante Hyponatriämien sind M. Addison, Durchfall, Erbrechen oder Diabetes mellitus.

Kalium

S Kalium ist das wichtigste intrazelluläre Kation. Pseudohyperkaliämie kann infolge von Freisetzung aus Thrombozyten, Leukozyten und Erythrozyten auftreten. Die Hauptursachen für Hyperkaliämie sind Oligurie und M. Addison. Die Hauptursachen für Hypokaliämie sind Erbrechen, Diarrhoe, Nierenfunktionsstörungen, M.Cushing / Glukokortikosteroidüberschuß.
Cave: Trotz physiologischer Serumspiegel kann ein absoluter K-Mangel vorliegen!
Rind: Erhöhte K-Spiegel können bei relativem Na-Mangel zu Fruchtbarkeitsstörungen führen. Hier sind Speicheluntersuchungen am aussagekräftigsten.

Natrium-/Kalium-
Verhältnis

S Leichte Hyponatriämien können beim Kleintier vernachlässigt werden, sofern das Na-/K-Verhältnis > 27:1 ist. Bei einem Verhältnis < 27:1 besteht der Verdacht auf einen M. Addison.

Calcium

S, EP, HP Mehr als 99 % des Calciums liegt im Knochen gebunden vor. Weitere Funktionen sind Beteiligung an Erregungsleitung, Muskelkontraktionen, Blutgerinnung etc. Nicht Parathyreoidea- bedingte Hypercalcämien sind meistens auf Tumore (beim Hund meistens Lymphosarkome) zurückzuführen. Hypocalcämien sind häufig die Ursache für die Gebärparese des Rindes und für Anfallserkrankungen bei Kleintieren. Wegen der dabei häufig bestehenden Hypoalbuminämie sollte der Calciumwert korrigiert werden.



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